Speckjunge

3 Aug

Für alle, die nicht bei unserer Lesung “Nadaville sammeln für einen guten Speck” sein konnten, hier ein kleiner Nachgeschmack. Dieses wunderbare und vor … äh … lauter Symbolik nur so triefende Märchen haben wir in einem Buch mit Märchen aus aller Welt aufgestöbert und übersetzt. Deshalb hier, damit ihr wisst, was euch letzten Sonntag entgangen ist, “Speckjunge” (“Blubberboy”):

Es war ein Mal ein Mädchen, deren Verlobter im Meer ertrank.

Ihre Eltern konnten nichts tun, um sie aufzumuntern. Auch interessierte sie keiner der anderen Männer, die sie umschwärmten – sie wollte den Mann, der ertrunken war, und keinen anderen. Schließlich nahm sie ein Stück Walspeck und schnitzte es in die Form ihres ertrunkenen Verlobten. Sie schnitzte auch das Gesicht ihres Verlobten in den Speck hinein. Es war ein perfektes Abbild.

„Ach, wenn er nur lebendig wäre!“ dachte sie.

Sie rieb den Walspeck an ihren Geschlechtsteilen, immer im Kreis und mit einem Mal erwachte der Speck zum Leben. Ihr wunderschöner Verlobter stand vor ihr. Wie sehr sie sich freute! Sie stellte ihn ihren Eltern vor und sagte „Wie ihr seht, ist er doch nicht ertrunken…“

Der Vater des Mädchens gab ihr die Erlaubnis zu heiraten. Sie zog mit dem Speckjungen in eine kleine Hütte in der Nähe des Dorfes. Manchmal wurde es in dieser Hütte sehr heiß. Und dann wurde der Speckjunge sehr müde. Wenn er von der Hitze müde wurde, sagte er „Reibe mich, meine Liebe.“ Und das Mädchen rieb den ganzen Körper ihres Speckjungen an ihren Geschlechtsteilen und hauchte ihm so neues Leben ein.

Eines Tages jagte der Speckjunge Robben auf dem Meer und die Sonne brannte gnadenlos auf ihn herab. Als er mit seinem Kajak zurück ans Ufer paddelte, brannte die Sonne auf ihn herab. Er begann zu schwitzen. Und je mehr er schwitzte, umso kleiner wurde er. Als er das Ufer erreichte, war er auf die Hälfte seiner Größe weggeschmolzen. Er stieg aus dem Kajak und fiel zu Boden. Er war nur noch ein bloßer Haufen Walspeck.

„Wie schade,“ sagten die Eltern des Mädchens. „Er war doch so ein netter, junger Mann.“

Das Mädchen begrub den Walspeck unter einem Haufen Steine. Dann begann sie zu trauern. Sie zupfte die Härchen ihres linken Nasenlochs. Sie nähte nicht mehr. Sie aß keine Eier von den Vögeln des Meeres mehr und sie aß auch kein Walfleisch. Jeden Tag besuchte sie das Grab des Speckjungen und sprach mit ihm und während sie mit ihm sprach ging sie drei Mal um das Grab herum, in der Richtung des Sonnenscheins.

Nach einer Phase der Trauer nahm das Mädchen ein Stück Walspeck und begann erneut zu schnitzen. Wieder schnitzte sie den Speck zu der Form ihres ertrunkenen Verlobten und rieb das entstandene Produkt gegen ihre Geschlechtsteile. Plötzlich stand ihr Verlobter vor ihr und sagte „Reibe mich, meine Liebe.“

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