18. Dezember: Üfiz und Pürre.

18 Dez

Das folgende ist ein Auszug aus Jessicas unbetitelter (sie ist nicht so gut mit Überschriften…) Weihnachtsgeschichte, die sie zur Lesung im Gasteig mitbrachte. Es erzählt ein 7-jähriger, wiesnösiger Junge, Sohn atheistischer Eltern.

“Mein Freund Fynn glaubt an den Weihnachtsmann. An seiner Stelle würde ich aber auch dran glauben, er kommt nämlich tatsächlich jedes Jahr an Heiligabend zu ihnen. Letztes Jahr musste ich ein bißchen aufpassen auf Fynn, nach den Feiertagen. Er wollte nur noch Playstation spielen und hat mich immer tot gemacht und hat gar nicht mehr gesprochen. Weil, Fynn hatte an Heiligabend zwischen der Vorspeise und dem nächsten Essen seiner Mutter sagen wollen, dass er keine Krabben mag. Und dabei gesehen, wie seine Mama in der Küche den Weihnachtsmann geküsst hat. Küssen ist ekelig und Fynn dachte, er muss ein Scheidungskind werden, wie Üzif und Pürre aus unserer Klasse und die sind sogar schon mal sitzengeblieben. Weil, die können sich nicht so gut konzentrieren. Fynns Eltern vertragen sich aber zum Glück immer noch und Fynn hofft, dass der Weihnachtsmann nie wieder kommt, oder besser nur die Geschenke da lässt und sofort wieder abhaut.

Bei uns kommen an Heiligabend höchstens Oma und Opa. Die bringen auch Geschenke, aber meistens nur Socken, warme Schlüpper oder 10 Euro. Mama findet das sogar noch gut, sie sagt, ich hab ja nicht Geburtstag. Wenn Oma und Opa kommen essen wir sehr viel und sehr oft und ich muss sitzenbleiben bis alle fertig sind. Nur letztes Jahr nicht, da sind Oma und Opa nämlich gegangen bevor alle fertig waren und das ist eigentlich sehr unhöflich.

„Es geht doch nicht einfach um Religion,“ fing Oma an, „es geht um Traditionen und Bräuche und die sind ja mal auch wichtig für’s Kind.“ Sie schaute mich mit ganz viel Mitleid an und klopfte mir aufs Knie. Ich guckte auch traurig, weil, wenn Erwachsene Mitleid haben gibt es dafür meistens einen guten Grund und dazu irgendwas Tolles zum Trösten. „Weihnachten ist doch das Fest der Liebe“, sagte Oma.

„Die Eltern von Üfiz und Pürre lieben sich nicht mehr,“ sagte ich Oma, weil ich wusste, dass traurige Themen meine Chancen auf ein Trösterli steigerten. „Die haben sich nach Weihnachten getrennt.“ Die heißen „Yves und Pierre!!“, rief Mama genervt aus der Küche. „Aber ihre Mama sagt doch auch immer Üfiz und Pürre!“ protestierte ich. Mama murmelte was von „Legasthenikerin“ und dann sagte sie gar nichts mehr.”

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