Ihre Gastgeberinnen (Kneipenversion)

3 Sep

Katrin, oder auch die Ziehharmonika-Katl, ist selbsternannte Akkordeon-Reisende, die durch die Münchner Boazn zieht und gegen flüssige Bezahlung aufspielt. Beim Schorsch ist sie besonders gern, weil’s da den anderen wurscht ist, wenn die Katl mit fortschreitender Nacht immer lustiger wird, ihr Gespiele aber immer misstönender. Von Fußball hat sie keine Ahnung, sie tut nur so, wenn der Schorsch von seinem Verein erzählt, und der Schorsch denkt, er bekehrt eine verlorene Seele, weil sie gar so interessiert schaut, die Katl, und deshalb sind beide recht froh.

Niemand weiß mehr so genau, wie Keule eigentlich richtig heißt, vermutlich würde dieses plattdeutsche Genuschel auch keiner der Gäste beim Schorsch verstehen. Keule sitzt seit den späten Achtzigern im Schorsch sei Kneipn und wartet darauf, dass ein Seemann sie abholt. Oder, dass ihr endlich jemand erklärt, wie sie eigentlich in Giesing gelandet ist. Keule mag, dass hier immer eine Alte mit Schifferklavier sitzt und wenn sie ehrlich zu sich ist, weiß sie auch schon gar nicht mehr, wie Hamburg riecht. Der Schorsch schlägt eigentlich keine Frauen, hat der Keule aber 1995 einen Zahn ausgehauen als Pauli gegen 1860 4:2 gewonnen hat. Seitdem bietet die Keule dem Schorsch ihre halbherzigen Liebesdienste nur noch in Notfällen an, die Keule hat schließlich auch ihren Stolz.

Saskia fand nur durch einen Zufall zum „Schorsch“. Als sie abends ihr Bier alleine auf einem Bordstein sitzend trank, kam der Manni von nebenan und fand, dass man sie doch da nicht für den Rest ihres Lebens Abend für Abend sitzen lassen könne. Da nahm er sie einfach mit zum „Schorsch“. Durch die Kneipentüre eingetreten waren ihre ersten Worte: „Ein Bier und einen Schnaps!“ und alle fanden sie gleich sympathisch. Seitdem ist Saskia jeden Abend beim Schorsch und trinkt ihre sieben Halbe und fünf Schnaps, bevor sie in ihre kleine Giesinger Wohnung schlafen geht.

Monika, die Bierschaumwahrsagerin, trifft man meist auf einer der Eckbanken an, wo sie verträumt durch die Gegend zu blicken scheint, in Wahrheit aber die anderen Gäste beobachtet und sich Geschichten über sie ausdenkt. Zum Schorsch ist sie gekommen, weil sie dort noch keine Gedenktafel vorgefunden hatte, wie sie in so vielen Kneipen hängt, wo einst ein heute berühmter Mann sein Bier trank. Deshalb kritzelt sie auch stets leider etwas unleserliche Sätze auf die Bierdeckel, bis heute sind aber noch alle im Müll gelandet, leider, mit 2,2 Bierglasabdrücken darauf.

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