Auszug – Plüschzunge

5 Aug


Gut, dass ich nicht sah, was da hinter meinem Rücken vorging …
Katrin Baumer liest “Plüschzunge” bei der mutlimedialen Lesung “Helden, Huren, Bastarde” in der Niederlassung im Oktober 2009
(Foto: Tina Schwegler)

Veröffentlicht in:

Jens-Fietje Dwars, Lob der Jadeflöte, 35 erotische Gedichte und Geshcichten zum Menantespreis 2010.

… Als er ihr Zimmer gesehen hatte, mit den aufgereihten Stofftieren und der bunt gemusterten Bettwäsche, mit den Starpostern an den Wänden, hatte er bereits angefangen, mit dem Schwanz zu denken, so dass es ihm leicht fiel, diese Dinge auszublenden. Da hatte er nicht gemerkt, dass ein flauschiger Plüschelch direkt unter seinem Hintern lag, während er Natascha gierig küsste.

Dass sie sich versteifte unter seinen Händen, hatte ihn eher angespornt. Dass ihre Hände von ihm abließen, als er ihn auspackte, registrierte er nicht. Erst als sie hemmungslos begann zu lachen, wurde er stutzig. Sie saß da, starrte auf sein steifes Glied und lachte.
„Was ist los?“, fragte er perplex.
Natascha streckte den Zeigefinger aus und tippte an seine Eichel, zog dann quietschend die Hand zurück und keuchte: „Sein riesiges, pulsierendes Glied!“
„Was?“, ächzte Christian und das riesige pulsierende Glied war plötzlich gar nicht mehr so riesig.
Natascha kreischte: „Oh mein Gott, ich habe ihn getötet!“
Zutiefst beschämt musterte Christian seinen schlaff gewordenen Penis. „Was sagst du denn auch für Sachen?“, murmelte er kopfschüttelnd. „Was soll das?“
Sie grinste: „Aber das kommt doch mittlerweile fast in jedem erfolgreichen Roman mindestens einmal vor! ‚Sein riesiges pulsierendes Glied!‘ Und deines sah gerade haargenau so aus, wie ich mir das vorstelle!“
„Was hat denn mein Schwanz mit Büchern zu tun?“ Christian war fassungslos.
„Ich will Schriftstellerin werden“, erklärte Natascha ihm. „Und Sex sells, vor allem bei Frauen! Man braucht sich nur mal umsehen auf dem Markt. Du darfst mein Versuchsobjekt sein, ist das nicht toll?“ Geistesabwesend zupfte sie an ihm herum. Christian beschlich das dumpfe Gefühl, eine Verrückte vor sich zu haben. Ganz normal war sie auf jeden Fall nicht. Das fortwährende Zupfen allerdings zeigte Wirkung und auf ihre Worte: „Ich will doch wissen, worüber ich schreibe“, gefolgt von einem fröhlichen: „Oh, er wacht wieder auf!“ achtete er nicht …

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