Auszug: Der Mietmann

1 Aug

Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen. Rendezvous mit schicken Juristen gehören nicht dazu. Ich habe einen Begleitservice für Frauen ausprobiert, der Verabredungen für kulturelle Veranstaltungen vermittelt. Am Ende bleibt der Beigeschmack eines missglückten Dates.

Und es ist eine Schande: Ich bin 22, echt nett und darf Männer jetzt schon dafür bezahlen, dass sie mit mir ins Theater gehen. 45 Tacken die Stunde. Aber keine Bange, heute ist es nur ein Test. “Compagna”, “Gefährtin” heißt ein – wohlgemerkt: kultureller – Begleitservice für Frauen. Dahinter verbergen sich Geschäftsführerin Frau C. und eine Mappe mit etwa 40 Hamburger Männern zwischen 28 und 63, die für Theater-, Konzert- oder Partybesuche gemietet werden können.

Ich bin gespannt, wen Frau C. für mich ausgewählt hat. Um sieben sind wir verabredet und tatsächlich wartet vor dem Theater ein junger, so gar nicht gut aussehender Mann mit Brille. Mist. “‘tschuldigung, sind wir verabredet?”, frage ich nach einigem Zögern. Er mustert mich als stünde ich hinter einem Herbertstraßenschaufenster. “Nee, glaub nicht.” Schwein gehabt. Ob mein Mietmann den ersten Moment der Fleischbeschau auch so hasst?

Im selben Moment springt er auch schon aus dem Theater. “Hallo, bist du Frau Riccò?” Ja. Und du bist auf den ersten Eindruck eine gute Wahl, danke Frau C.. Henning ist 31, Rechtsreferendar und weiß Bescheid, dass ihn heute eine von der Presse bucht. Wir sind zu einer Theaterpremiere verabredet, deren Name ein bisschen Programm ist: Arthur Schnitzlers “Komödie der Verführung”…


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